Rundfunk und Kultur kämpfen um ihre Frequenzen - Pressekonferenz im Volkstheater

Aktualisiert: 29. Juni

Rundfunk- sowie Kulturveranstalter nutzen das Frequenzspektrum zwischen 470 MHz – 694 MHz oder UHF-Spektrum. Bei der „World Radiocommunication Conference“ im November 2023 steht die exklusive Nutzung auf dem Prüfstand. Eine neue Frequenz-Zuweisung ab 2030 zugunsten des Mobilfunks steht im Raum. Im Rahmen einer Pressekonferenz im Volkstheater erläuterte eine Allianz aus TV-, Radio- und Kulturveranstaltern die Auswirkungen für die betroffenen Branchen. Und fordern eine langfristige Absicherung des Rundfunkspektrums auch nach 2030.





Seit 60 Jahren nutzen Rundfunk und Kultur das UHF-Spektrum in technologischer Symbiose störungsfrei. Für die weitere Aufteilung dieses Spektrums für zusätzliche Nutzungsszenarien wie den Mobilfunk ist langfristig keine technologische Lösung in Sicht. Im Gegenteil: Der Mobilfunk kann Frequenzen aus physikalischen Gründen nur allein nutzen, so dass sie Rundfunk und Kultur nicht mehr zur Verfügung stehen. Die terrestrische Rundfunkverbreitung wäre dadurch akut gefährdet: „Die betroffenen Branchen haben keinen Frequenzspielraum mehr, weshalb unsere Forderung nach einer langfristig abgesicherten, exklusiven Nutzung des Rundfunkspektrums alternativlos ist“, erklärt Mag. Michael Wagenhofer, Geschäftsführer der ORS und Sprecher der Allianz.





Der Rundfunk braucht Frequenzen für Versorgungssicherheit der Bevölkerung


Der Rundfunk braucht das UHF-Spektrum, damit Programmangebote niederschwellig terrestrisch übertragen werden können. „Radio und Fernsehen sind die am stärksten genutzten Medien, denen die Menschen in Österreich zudem das größte Vertrauen entgegenbringen. Öffentlich-rechtlicher Rundfunk im Speziellen muss seiner medienpolitischen Verpflichtung zur Versorgung der Bevölkerung, insbesondere in Zeiten von zunehmenden Umweltkatastrophen, Gesundheitskrisen oder geopolitischen Konflikten, nachkommen können. Dazu gehört Infrastruktursouveränität über ein terrestrisches Sendernetz“, betont Dr. Harald Kräuter, Direktor für Technik und Digitalisierung des ORF.

Dipl. Kffr. Corinna Drumm, Geschäftsführerin des Verbands Österreichischer Privatsender, ergänzt: „Zusätzlich zur linearen Nutzung werden Audio- und Bewegtbildinhalte immer häufiger auch auf mobilen Endgeräten genutzt. Diese Inhalte wollen wir auch weiterhin möglichst effizient via Broadcast – also „one-to-many“ – zu unseren Hörer:innen und Seher:innen bringen. Dafür benötigen wir auch in Zukunft das UHF-Spektrum.



UHF-Frequenzen sind für Medienproduktion unverzichtbar


„Vielen ist nicht bewusst, dass unzählige Funkmikrofone und andere drahtlose Geräte in der Medienproduktion intensiv im UHF-Spektrum betrieben werden. Der Vorteil des UHF-Spektrums liegt darin, dass die Funkwellen Bühnenaufbauten durchdringen können“, erklärt Mag. Othmar Stoss, Präsident der Österreichischen Theatertechnischen Gesellschaft (OETHG).


Keine Kultur ohne UHF-Frequenzen


„Ohne die vielen Mikrofone in unseren Theatern und Kulturbühnen sind kulturelle Produktionen nicht denkbar. Die möglichen Kosten für einen Systemwechsel durch eine Umwidmung der Rundfunkfrequenzen allein für die Kulturbetriebe in Österreich wären enorm und würden eine dauerhafte Belastung für die kulturellen Angebote bedeuten. Ich appelliere an die Politik, dies zu berücksichtigen“, meint Cay Stefan Urbanek, kaufmännischer Direktor des Volkstheaters.

Forderung an die Bundesregierung


Die Allianz der TV-, Radio- und Kulturveranstalter fordert daher die Bundesregierung auf, sich bei der Europäischen Kommission im Hinblick auf die WRC23 dafür einzusetzen, dass das UHF-Spektrum langfristig und exklusiv dem terrestrischen Rundfunk und der Kultur vorbehalten bleibt.