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Als wichtiger Bestandteil der kritischen Infrastruktur ist das UHF-Spektrum krisensicher, ESG-konform und von fundamentaler Wichtigkeit für den Erhalt gemeinschaftlicher europäischer Werte. Beim zweiten Aktionstag #saveourspectrum Mitte November 2022 beantworten europäische Geschäftsführer der Rundfunkbranche die Frage, warum der länderübergreifende Erhalt des UHF-Spektrums in der EU so notwendig ist:



Milos Mastnik, CEO Ceske Radiokomunikace (Tschechien), Mate Botic, CEO OIV (Kroatien), Bianca Papini, Confindustria Radio Televisioni (Italien), Olivier Huart, CEO TDF (Frankreich) betonen in ihren Statements, die Wichtigkeit der langfristigen Absicherung des UHF-Bandes für die Medien und Kulturvielfalt Europas.

Michael Wagenhofer, Geschäftsführer der ORS Group und Sprecher der Frequenz-Allianz Österreich, appelliert: „Der Rundfunk braucht eine eigene, unabhängige und belastbare Verbreitungsinfrastruktur, um seine gesellschaftlichen Aufgaben zu erfüllen.“


Vor dem Hintergrund wachsender Herausforderungen in einer sich stetig verändernden Welt, nimmt auch die Bedeutung verlässlicher und stabiler Informationsquellen zu. Um diesen freien Rundfunkzugang aller europäischen Haushalte weiterhin zu sichern, ist die Aufrechterhaltung der terrestrischen Ausstrahlung über das UHF-Spektrum entscheidend.

Im Rahmen eines zweiten, gemeinsamen Aktionstages der Allianzen für Rundfunk- und Kulturfrequenzen fordern alle Initiativen in den EU-Ländern am 9. November erneut, dass das UHF-Spektrum für Rundfunk und Kultur sowie drahtlose Produktionstechnik auch über 2030 hinaus erhalten bleiben muss.


In Europa sehen 80 Millionen Haushalte über das untere UHF-Spektrum fern. Jährlich nutzen Millionen europäischer Veranstaltungen, Theaterstücke, Festivals und Konzerte dieses Frequenzband. Der Rundfunk und die Kreativindustrie fordern die politischen Entscheidungsträger auf, dieses Spektrum zu retten, damit die Kultur florieren kann.


Terrestrischer Rundfunk als systemrelevante Säule in ganz Europa

Europa verfügt mit der terrestrischen Ausstrahlung über das untere UHF-Spektrum (470 - 694 MHz) über eine erschwingliche, energieeffiziente, ressourcenschonende und souveräne Übertragungstechnik. Diese funktioniert auch bei von Menschen verursachten oder natürlichen Katastrophen. Auch angesichts des Krieges vor unserer Haustür muss Europa sein Spektrum, das für die Verbreitung von Inhalten zur Verfügung steht, sichern.


Informations-, Unterhaltungs- und Bildungsinhalte müssen als umfassende Basisdienste für alle Europäer verfügbar bleiben. Ohne den Zugang zu Frequenzen wird die terrestrische Ausstrahlung über DVB-T2 nicht mehr möglich sein und die Ausstrahlung über 5G-Broadcast wird nicht stattfinden.


Zukunft der Kultur- und Kreativwirtschaft ebenfalls betroffen

Auch Künstler und Programmmacher, die Nachrichten, Theaterproduktionen, Kultur-, Konzert- und Sportveranstaltungen, Konferenzen und Messen mit ihren Mikrofonen, In-Ear-Systemen und Talkback-Systemen produzieren, sind auf diese Frequenzen angewiesen. Andere Frequenzbereiche können aufgrund von Interferenzen nur sehr eingeschränkt oder gar nicht genutzt werden.


Europa muss an seinem Konsens festhalten, einen innovativen Binnenmarkt für Menschen, Kultur und Industrie zu gewährleisten. Dieser Binnenmarkt ist nun durch die internationalen Diskussionen im Vorfeld der Weltfunkkonferenz 2023 gefährdet.


Daher rufen wir die Entscheidungsträger in ganz Europa auf, die bestehende UHF-Frequenzzuweisung zu schützen: #saveourspectrum!


Download Presseinformation:

Call-to-Europe_80-organizations_20-countries_saveourspectrum_nn
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Aktualisiert: 28. Sept.

Bei den Österreichischen Medientagen 2022 widmete sich eine Expertenrunde dem Thema „Infrastruktur als Innovationstreiber”. Den Hintergrund für die Diskussionsrunde lieferte die nächstjährige „World Radiocommunications Conference 2023 (WRC-23)“, bei der über die Nutzung des UHF-Bandes, dem letzten verbliebenen Frequenzbereich für den terrestrischen Rundfunk, ab 2030 entschieden wird.


v.l.: Mag. Michael Ogris/KommAustria, Dipl.-Kffr. Corinna Drumm/VÖP, Mag. Michael Wagenhofer/ORS, Cigdem Elikci/brutkasten (Moderation). © Wolfgang Schalko


Digitalisierung ermöglicht neue, innovative Verbreitungswege Corinna Drumm, Geschäftsführerin des Verbands Österreichischer Privatsender (VÖP), unterstrich die Bedeutung der Medienvielfalt und eines niederschwelligen Zugangs zu Informationsangeboten für Gesellschaft und Demokratie. Die Rundfunkbranche habe ein ureigenes Interesse an der Digitalisierung, von der Produktion bis hin zur Verbreitung des Contents:


„Wir wollen auf allen Empfangswegen und Endgeräten präsent sein. Daher kümmern wir uns auch um zukünftige Verbreitungswege wie 5G Broadcast, denn diese Technologie vereint die Vorteile von Rundfunk und Mobilfunk”, so Drumm. Rundfunkinfrastruktur sichert Wettbewerbsfähigkeit

ORS-Geschäftsführer Michael Wagenhofer hob hervor, dass die Infrastruktur auch die Grundlage für Geschäftsmodelle bilde. Demnach erzielten die 50 umsatzstärksten audiovisuellen Konzerne in Europa im Jahr 2020 einen Umsatz von insgesamt rund 110 Mrd. Euro.


47 Unternehmen davon nutzen Rundfunkübertragungswege, lediglich drei sind OTT Player (die US-Anbieter Netflix, Amazon und DAZN). „Es liegt auf der Hand, dass die Infrastruktur das Rückgrat für den audiovisuellen Sektor und den Wettbewerb mit den globalen Playern in Europa ist“, so Michael Wagenhofer.


Österreichische Medientage Talk - Michael Wagenhofer

ORS-Geschäftsführer Michael Wagenhofer betonte in der Diskussion die Bedeutung von 5G Broadcast. @ Johannes Brunnbauer


5G Broadcast als Innovation für die Rundfunkübertragung Um diesen Wettbewerbsvorteil weiter nutzen zu können, brauche es Innovation bei den Rundfunkübertragungsstandards. „Hier kommt 5G Broadcast ins Spiel. Wir machen das nicht, weil es technisch möglich ist, sondern um ganz konkrete Kundenbedürfnisse, wie zum Beispiel den mobilen Medienkonsum ohne Belastung des eigenen Datenvolumens, abzudecken. Damit wir diesen Innovationsschritt setzen können, benötigen wir jedoch die entsprechenden Rahmenbedingungen und Investitionssicherheit – was in erster Linie die langfristige Verfügbarkeit des Rundfunkfrequenzspektrums bedeutet“.



KommAustria-Vorsitzender bezeichnet Frequenzdebatte als skurril

Seitens der Regulierungsbehörde bezeichnete KommAustria-Vorsitzender Michael Ogris die Debatte um die zukünftige Nutzung des UHF-Bandes wörtlich als „skurril”, denn: „Wir haben seit 60 Jahren Rundfunk, seit knapp 20 Jahren Privat-Fernsehen, so viele Programme wie nie zuvor und jetzt überlegen wir, ob wir das abdrehen beziehungsweise anders nutzen.”

Auf die bei der WRC-23 zu klärende Frage, wie das UHF-Spektrum nach 2030 genutzt werden soll, meint Michael Ogris: „Ich glaube, wir sind definitiv noch nicht soweit zu sagen, dass wir die Terrestrik 2030 nicht mehr brauchen. In Frankreich, Italien oder Spanien wird man 2030 sicher nicht auf die Terrestrik verzichten können – und ich glaube, in Österreich auch nicht.”

Neue Publikation

Für umfassende Informationen rund um die bevorstehende Frequenz-Weichenstellung verwies Michael Ogris auf den soeben erschienenen Schriftenband Rundfunk 2030 – Überlebt die Antenne? von KommAustria und RTR, in dem zahlreiche nationale und internationale Experten zu Wort kommen.